Amtliches Mitteilungsblatt – Wer braucht das heute noch?

Natürlich kann ein amtliches Mitteilungsblatt uninteressant sein und handwerklich schlecht gemacht. Das ändert aber nichts daran, dass das Konzept an sich absolut zeitgemäß ist. Schließlich würde ja niemand sagen: „Ich habe neulich einen ganz schlechten und ungleichmäßig glasierten Kuchen gegessen, ich finde, das ganze Konzept ‚Kuchen‘ ist überholt und unnötig“.

Der Vergleich mit einem Kuchen ist eigentlich ziemlich gut, denn es gibt perfekte, leckere Torten vom Konditor, und es gibt hausgebackene Kuchen, die toll schmecken, aber nicht perfekt aussehen. Beides hat seine Daseinsberechtigung, beides erfüllt seinen Zweck, vor allem in Relation mit den eingesetzten Mitteln.

Wozu ein Mitteilungsblatt?

Prinzipiell ist das Mitteilungsblatt wichtig, damit die Stadt- oder Gemeindeverwaltung ihre Informationspflicht gegenüber der Bevölkerung erfüllen kann. Es ist damit ein ideales Medium für  Termine und Tagesordnungen der Stadtrats- oder Gemeinderatssitzungen, Beschlüsse aus diesen Sitzungen, neue und geänderte Bebauungspläne, für Ausschreibungen u.v.m. Diese Informationen sind für die Bürger und die Unternehmen von großer Wichtigkeit.

Natürlich können sich die Bürger alle diese Informationen bei Bedarf und Interesse auch aus der Tagespresse, entsprechenden anderen öffentlichen Publikationen und dem Internet zusammensuchen – mit Betonung auf „zusammensuchen“. Das Mitteilungsblatt ist hier einfach ein praktisches und probates Medium, diese Informationen, die ja sowieso schon gebündelt bei der Verwaltung vorliegen, ebenso gebündelt herauszugeben.

Jetzt könnten Gemeinde und Städte natürlich bei diesen „trockenen“ Inhalten belassen. Aber wenn man schon einmal ein Mitteilungsblatt hat, weshalb also die Bürger nicht wirklich umfassend informieren? Weshalb nicht die Chancen nutzen, die so eine regelmäßig an alle Haushalte verteilte Publikation bietet? Weshalb das Mitteilungsblatt nicht zu einem Werkzeug macht, das Verwaltung, Bürger und Wirtschaft miteinander verbindet? Weshalb all diese Möglichkeiten ungenutzt lassen, nur damit kleine Regionalblogs sich das „hyperlocal“ auf die Fahnen schreiben – und dann genau das machen, was ein gut gemachtes Mitteilungsblatt auch kann?

Hyperlokal und Print in Kombination - Amtsblätter haben Relevanz

Quelle: 2016 - Revista Verlag

Mitteilungsblatt mit Mehrwert

Nicht jede Gemeinde hat die Möglichkeit, selbst ein professionell aussehendes Mitteilungsblatt zu produzieren, dass den heutigen Lesegewohnheiten und Ansprüchen ans Design entspricht. Sie kann sich dann entweder auf das Nötigste, sprich: den Inhalt, beschränken, oder sie vergibt die Aufgabe an einen der zahlreichen Verlage, die sich auf das Erstellen von Mitteilungsblättern spezialisiert haben.

Abgesehen von professionellen Gestaltung und Produktion übernehmen diese Verlage üblicherweise auch den Anzeigenverkauf. Sie sprechen dabei gezielt Unternehmen an, die in der Region zuhause sind und regional agieren. Der Vorteil für die Werbetreibenden liegt auf der Hand: Sie bekommen Zugang zu genau der Zielgruppe, die sie ansprechen wollen, bei garantierter Auflagenhöhe und regelmäßigem Erscheinen.

Wichtiges und Interessantes

Neben den offiziellen Veröffentlichungen und den Anzeigen gehören in ein Mitteilungsblatt auch grundlegende Informationen, die den Bürgern weiterhelfen oder die einfach interessant und beliebt sind. Dazu gehören beispielsweise:

  • Sprechstunden der einzelnen Einrichtungen wie Bürgerbüro, Meldeamt, Standesamt usw.
  • Fundsachen
  • Müllabfuhrtermine (besonders wichtig bei irregulären Abfuhrterminen vor Feiertagen)
  • Gottesdiensttermine der verschiedenen Konfessionen und Kirchengemeinden
  • Geburtstage, vor allem für die höheren Jahrgänge
  • ärztlicher Notdienst
  • Apothekennotdienst
  • Todesfälle
  • Probealarm der Feuerwehrsirenen
  • VHS-Programm
  • Veranstaltungstermine von Vereinsfeiern, Ortsfesten, Kirchweihen etc.
  • Berichte über ebensolche Veranstaltungen
  • Informationen aus Nachbargemeinden

Die lokalen Tageszeitungen dampfen ihre Redaktionen immer mehr ein, so dass sich kaum noch jemand findet, der am Wochenende das Fest zum 150. Jubiläum des Schützenvereins besucht, oder der über die Ausstellung des Kleintierzüchtervereins berichtet. Das bedeutet aber nicht, dass diese Veranstaltungen nicht interessant wären, oder für das soziale Leben einer Gemeinschaft keine Rolle spielen.
Im Mitteilungsblatt sind solche Berichte gut aufgehoben, denn sie kommen so direkt bei dem beabsichtigten Publikum an. Generell finden Vereine hier eine gute Plattform, um sich der Allgemeinheit zu präsentieren und vielleicht neue Mitglieder zu gewinnen.

Das ist genau das, was mit dem Begriff „hyperlocal“ gemeint ist: Eine eng umrissene Gemeinschaft legt den Fokus auf sich selbst. Das Mitteilungsblatt tut dies hauptsächlich aus rein praktischen Erwägungen, sorgt so aber auch für eine engere Verflechtung der Gemeinschaftsmitglieder untereinander. Das passt sehr gut zu aktuellen Trends, etwa sich in der Gemeinschaft zu engagieren (beispielsweise indem man Berichte über den Kleintierzüchterverein schreibt) oder auch lokale Unternehmen zu bevorzugen, von Handwerksbetrieben bis zu Hofläden. So wird sich ein Stück weit auch den gefühlten Gefahren der Globalisierung entzogen.

Wie wichtig ist das Design?

Natürlich hat das Design eines Produktes entscheidenden Einfluss darauf, wie es wahrgenommen wird. Im Falle unseres Mitteilungsblattes gehören dazu das Format, das Papier, das Layout und Elemente wie die gewählte Schriftart, Farb- oder s/w-Druck usw.
Ob und wieviel Gewicht auf das Aussehen des Mitteilungsblattes gelegt wird, ist in der Regel vor allem eine Kostenfrage. Manche Gemeinde entschließt sich vielleicht dazu, auf jeglichen derartigen „Schnickschnack“ zu verzichten und veröffentlicht einfach nur die wichtigsten Termine und Informationen. Das ist vollkommen legitim, schöpft aber das Potenzial des Mitteilungsblattes nicht aus.
Viele der oben genannten Design-Elemente sind letztendlich reine Geschmacks- und Kostenfrage. Tatsächlich wichtig sind Layout und Schriftart. Beides kann entscheidend zur Lesbarkeit der Texte und Informationen beitragen und unterstützt somit die Funktion des Mitteilungsblattes.

Weshalb nicht im Internet?

Die Frage sollte eher lauten: Weshalb nur im Internet? Dass eine Gemeinde oder eine Stadt ein Mitteilungsblatt drucken und verteilen lässt, bedeutet nicht, dass sie die Inhalte nicht im Internet veröffentlichen darf oder soll. Im Gegenteil, sie sollte beides tun. Die Möglichkeit, sich das Mitteilungsblatt als PDF auf der Internetseite der Stadt oder Gemeinde herunterzuladen, ist dabei sozusagen die Mindestmöglichkeit. Noch besser für die User wäre es, die Informationen auf einer eigenen Seite, aber in ebenso gesammelter Form einsehen zu können, und diese Seite vielleicht sogar gezielt durchsuchen zu können – beispielsweise nach den leidigen Müllabfuhrterminen.

Dabei darf man aber nicht vergessen, dass nicht jeder Zugang zum Internet hat, und manche Menschen möchten ihre Informationen auch einfach nicht auf diesen Weg bekommen. Dem muss man als Herausgeber eines Mitteilungsblatts Rechnung tragen. Ganz praktisch gesagt: Ist es nicht für uns alle einfacher, im Notfall einen Blick ins Mitteilungsblatt zu werfen, das wir ganz low tech an die Pinnwand geheftet haben, als das Internet und Google zu bemühen?

Fazit

Gut gemachte Mitteilungsblätter haben auch im Internetzeitalter ihre Berechtigung und werden sie auch dauerhaft behalten. Wichtig ist, dass alle Facetten des lokalen Informationsbedarfs abgedeckt werden. Mitteilungsblätter waren schon hyperlocal, bevor hyperlocal zum Modewort wurde.

 

 

Dieser Artikel wurde in Kooperation mit Florian Kohl verfasst. Florian Kohl ist Geschäftsführer beim Revista Verlag in Schweinfurt, Partner bei kunkel & kohl, Podcaster bei schweinfurtundso.de, Blogger, Social Media Freund, Digitaler Aktivist, Fan von Print am richtigen Einsatzort, mag Flausch und Nischen.

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